Distillerie-Radermacher_Tor

Heute besuchen wir direkt nach dem Frühstück die Destillerie Radermacher im ostbelgischen Raeren. Hihi - dieser Termin bringt nicht nur uns zum Lächeln. Auch unser Gastgeber Rudolf vom Landhauszimmer kann sich ein "Hmmm - Schnaps-Verkostung am frühen Morgen?!" nicht verkneifen. Ach was... wir wollen ja nur gucken :-). 

Ich persönlich liebe ja solche Termine. Was gibt es schöneres, als bei lokalen Traditionsunternehmen hinter die Kulissen zu gucken? Zu sehen, wo die Produkte herkommen und mit welcher Sorgfalt sie produziert werden. Wir sind neugierig und versuchen, einen Blick aufs Firmengelände zu erhaschen. Aber die großen Tore und die dicken Hecken schirmen alles vor neugierigen Blicken ab. Zum Glück werden wir ja erwartet und klingeln einfach. 

Ein Traditionsunternehmen in Familienbesitz

Bernard Zacharias erwartet uns schon. Der 51jährige führt den Familienbetrieb in fünfter Generation und erzählt uns im Laufe der Tour voller Stolz, dass seine Tochter ebenfalls ins Geschäft eingestiegen ist. Ein Grund mehr, die geplanten Erweiterungsbauten in Angriff zu nehmen, das heutige Firmengrundstück platzt nämlich aus allen Nähten. Kein Wunder, hat Bernard Zacharias doch in den 30 Jahren, die er die Destillerie Radermacher schon leitet, die Menge der abgefüllten Flaschen im Jahr von ca. 10.000 auf über 1 Millionen erhöht.

Nach ein paar Zahlen und Fakten geht es jetzt rein in die Produktions-, Abfüll- und Lagerräume des Unternehmens. Es duftet leicht und sehr angenehm nach Alkohol. Kein Wunder, schließlich fließt dieser direkt über unseren Köpfen durch insgesamt 1,7 km Leitungen in die Flaschen-Abfüllanlage. Die Flaschen rappeln übers Band, werden von Hand versiegelt und in 6er-Kartons verpackt. Später werden wir diesen, durch Kakaobohnen gefilterten Rum verkosten... und auch eine Flasche für zu Hause mitnehmen :-).

Auch Engel mögen Whisky

Weiter geht es ins Lager. Hier warten in hohen Regalen die fertigen Produkte auf den Versand. Es reifen aber auch Whiskys, Rum und Gin in großen Holzfässern. Diese sind aus französischer oder amerikanischer Eiche und kosten bis zu 550 Euro pro 110 Liter Faß. Wahnsinn, so teuer hätte ich diese Fässer nicht vermutet. Bei der Destillerie Radermacher werden sie mehrfach eingesetzt und bis zu 10 Jahr lang genutzt. 

Das der Whisky in den Fässern reift, sieht man an den schwarzen Belägen an den sonst weißen Lagerwänden. Das sei der sogenannte Engesanteil, erklärt uns Bernard Zacharias. So bezeichnet man den Anteil des Whiskys, der im Laufe seiner Lagerung aus dem Fass verdunstet.

Belgischer Whisky in Dubai und mexikanischer Tequila aus Raeren

Wir erfahren ein paar Details zur Produktentwicklung, über Biozertifizierung, über Marketing und über die internationale Ausrichtung des Unternehmens. So werden nicht nur die hauseigenen Produkte bis nach Dubai exportiert, das Unternehmen produzieren auch Agavenbrand (ein Tequila) für ein mexikanisches Unternehmen. Wir staunen nicht schlecht. Warum wird ein urmexikanisches Getränk für ein mexikanisches Unternehmen in Belgien produziert? Ganz einfach... in Mexiko ist die Produktion zu gefährlich. Wir staunen nicht schlecht.

Ach ja... probiert wurde dann natürlich auch noch. Whisky, Rum und Gin. Außerdem Limoncello und natürlich das Produkt, mit dem alles angefangen hat, der Raerener Töpfergeist. Alles lecker. Gut gelaunt, um viele Infos reicher und mit drei Flaschen beladen verlassen wir die Destillerie Radermacher. Ein sehr interessanter Vormittag. Auf geht es nach Eynatten. Hier starte ich meine heutige Wanderung nach Eupen.